Offener Brief an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft
Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Kraft,
Sie haben in einer bewegenden Trauerrede am vergangenen Samstag in Duisburg die richtigen Worte gefunden und Ihnen war Ihre ehrliche Betroffenheit anzumerken.
Gegen Ende Ihrer Rede sind Sie auf das Thema “Sicherheit” zu sprechen gekommen und haben diese- die Sicherheit- zur wichtigsten Leitlinie für zukünftige Planungen erklärt.
Wir möchten Sie auf diesem Wege in Ihrer Meinung unterstützen und hoffen , dass das Thema “Sicherheit” auch in Ihrer Zeit als Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein- Westfalen in der Zukunft in Ihrem politischen Wirken und bei politischen Entscheidungen ebenfalls “als wichtigste Leitlinie” oberste Priorität hat.
Bereits vor dem Beginn der Loveparade waren starke Bedenken auch in der Öffentlichkeit gegenüber den Sicherheitsmaßnahmen zu hören. Leider ist auf diese Warnungen nicht gehört worden, so dass wir nun diese Tragödie zu beklagen haben und auf der Suche nach den (auch politisch ) Verantwortlichen sind.
Wir , die Unterzeichner dieses Offenen Briefes, schreiben Ihnen nun, weil wir als Anwohner der BETUWE- Strecke zwischen Emmerich und Oberhausen in zunehmendem Maße Sicherheitsrisiken durch den Verlauf der BETUWE Linie durch unsere Städte ausgesetzt sind.
Nicht nur, dass wir Tag und Nacht in steigendem Maße dem ohrenbetäubenden und gesundheitsschädlichen Lärm hilflos ausgesetzt sind, viel schlimmer, wir haben Angst um unsere Sicherheit und die Sicherheit unserer Kinder.
Durch die Blockverdichtung fahren immer mehr Gefahrgüterzüge durch unsere Städte, unsere Kinder gehen in Schulen wie die Realschule Emmerich, die nur wenige Meter von dieser Gefahrgutstrecke entfernt ist, hunderttausende Menschen zwischen Emmerich und Oberhausen sind als Anwohner diesen Risiken ausgesetzt.
Seit Jahren warnen wir vor den unkalkulierbaren Sicherheitsrisiken. Doch bislang halten Bahn und Politik an Ihrem Plan für den Verlauf der BETUWE- Linie fest, obwohl alle Beteiligten wissen, dass die Sicherheitsrisiken immens sind und wir hier in Deutschland nicht einmal im Ansatz die Sicherheitsstandards in Planung haben, die in unserem Nachbarland, den Niederlanden, bereits realisiert worden sind.
Wir erinnern in diesem Zusammenhang an das tragische Zugunglück im vergangenen Jahr in Viareggio (Italien), dem 29 Menschen u.a. viele Kinder zum Opfer fielen. Auch hier waren mangelnde Sicherheitsmaßnahmen verantwortlich für diese Katastrophe.
Sehr geehrte Frau Kraft ,wenn in Ihrer Politik als Ministerpräsidentin des Landes NRW Sicherheit “die wichtigste Leitlinie” (Zitat aus Ihrer Rede) ist, dann kann Geld kein Grund für mangelnde Sicherheit sein. Die Deutsche Bahn und bislang auch die Politik haben in der Frage der BETUWE- Linie die elementaren Sicherheitsinteressen der anliegenden Bevölkerung auch aus Kostengründen vernachlässigt.
Nach Ihrer Trauerrede werden Sie mit uns übereinstimmen, dass Sicherheit nicht eine Frage des Geldes sein darf.
Wir sind uns alle einig, dass wir Gütertransporte (also auch Gefahrgüter) von der Straße auf die Schiene oder auf die Schifffahrt (Rhein) verlagern müssen.
Aber die unmittelbaren Lebens- und Sicherheitsinteressen der Anwohner dürfen dabei nicht vernachlässigt werden.
Bei der BETUWE -Linie in der derzeitigen Planung ist dies jedoch in eklatanter Weise der Fall.
Wir möchten Sie durch diesen Brief bitten, sich nach der Katastrophe von Duisburg und Viareggio noch sensibler als bisher mit den Sicherheitsrisiken, unter denen die Menschen hier zu leiden haben, zu befassen.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie zu einem Gespräch mit uns entweder in Düsseldorf oder bei uns vor Ort in Emmerich Zeit finden würden.